Open Source Autodesign – Local Motors gibt Gas

Der Rally Fighter von Local MotorsMit Local Motors ist nun endlich das Realität geworden, worauf Autodesign- und Web 2.0 Fans wie ich gewartet haben. Nachdem Audi bereits einige, allerdings offenbar nicht unbedingt ernst gemeinte, Gehversuche mit Autodesign 2.0 unternommen hat und weitere mir bekannte Versuche anderer Hersteller, Internetnutzer mit in die Gestaltung von Fahrzeugen einzubeziehen, nicht weiter erwähnenswert sind, macht es Local Motors jetzt richtig. Local Motors, mit Sitz in den USA, lässt seine Autos von einer Internet-Community entwerfen.

Der Open Source Ansatz

Ähnlich wie die frische gegründete, erste virtuelle Automarke der Welt, SNOOK Automobile, stellt Local Motors viele der Herangehensweisen der alt-eingesessenen Automarken auf den Kopf. Das Prinzip, nach dem bei Local Motors gearbeitet wird, kann man als Open Source bezeichnen, denn dort kann jeder die Fahrzeuge mitgestalten. Über die Website von Local Motors haben Hobby- und Profi-Autodesigner die Möglichkeit, eigene Autodesigns hochzuladen und bestehende Designs zu verändern. Weitere Profis wie z.B. Ingenieure prüfen die Vorschläge auch auf die technische Realisierbarkeit. Im Endeffekt stimmen dann die Nutzer der Plattform darüber ab, welches Autodesign ihnen am besten gefällt.

Die Internet-Community von Local Motors hat mittlerweile rund 6400 Mitglieder und von diesen bisher rund 60.000 Autodesigns gesammelt. Wer also schon im Autos selbst designen wollte, kann dies hier der Community tun. Dies bietet sicher eine gute Gelegenheit, neue internationale Kontakte zu Automobildesigner zu knüpfen und auch, vor allem für Hobby-Autodesigner, von diesen zu lernen.

Local Motors hat erstes Open-Source Auto gebaut

Als wäre das alles noch nicht genug, hat Local Motors den von der Community am besten bewerteten Fahrzeugentwurf kurzerhand auch gleich mal gebaut. Es handelt sich dabei um den Entwurf des kalifornischen Autodesigners Sangho Kim. Rund Zwei Jahre hat die Entwicklung gedauert, rund 3 bis 5 Jahre weniger als die Entwicklung eines neuen Modells bei einem traditionellen Autohersteller. Bei dem oben bereits erwähnten Projekt von Audi sollten die User ein Fahrzeug für das Jahr 2025 gestalten, ein Zeitpunkt, der viel zu weit in der Zukunft liegt, um einem ernst gemeinten Autodesign 2.0 Projekt Attraktivität zu verleihen.

Open Source Auto Rally Fighter von Local Motors

Der Rally Fighter von Local Motors

Schlanke, dezentrale Produktion

Entgegen den geschätzen Kosten von rund 2,5 Milliarden Dollar für eine herkömmliche Autofabrik, hat die Mikrofabrik von Jay Rogers, dem Gründer von Local Motors nur 250.000 US-Dollar gekostet. Diese Mikrofabrik ließe sich theoretisch an jeden beliebigen Ort auf der Welt kopieren, so dass vor Ort Arbeitsplätze geschaffen und die Transportkosten für die Automobile eingespart werden könnten.

Obwohl die Internet-Nutzer und vielleicht spätere Kunden bei der Entstehung der Fahrzeuge von Local Motors bei Nahe alle Zügel in der Hand haben, lassen sich die fertigen Modelle durch die Kunden nicht weiter individualisieren, wie wir es von den herkömmlichen Autoherstellern kennen. Die hält im Endeffekt allerdings die Produktionskosten erheblich geringer.

Die Zukunft von Open Source im Bereich Autodesign

Für das erste Modell, den Rally Fighter, liegen aktuell rund 100 Vorbestellungen vor. Im November diesen Jahren sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. Bisher beurteilt Jay Rogers das Potential von über das Web gestalteten Autos allerdings eher mit Zurückhaltung. Er scheint nicht davon auszugehen, dass sich diese Art der Open Source-Entwicklung von Automobilen kurz- bis mittelfristig durchsetzen wird und er damit den etablierten Autoherstellern Konkurrenz macht.

Allerdings hat sich in der Vergangengheit immer wieder gezeigt, wie wirkungsvoll es sein kann mit alten Mustern zu brechen und neue Wege zu gehen. An Innovationskraft macht Jay Rogers den bekannten Autoherstellern hier einiges vor. Die allgemeine Veränderung der Märkte durch das Web 2.0 sowie die umwälzenden Veränderungen auch im produzierenden Gewerbe, wie sie u.a. in dem lesenwerten Buch Marke Eigenbau mit dem Untertiel “Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion” beschrieben werden, lassen für Open Source Projekt wie Local Motors doch einiges an Potential erahnen.

Video zu Local Motors


Weitere Videos von Local Motors sind in Local Motos’ Youtube-Channel zu finden.

Weitere Quellen im Netz: Artikel über Local Motors bei Spiegel.de

Bildquellen: jeffmcneill & livingonimpulse @ flickr.com
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    1 Kommentar bisher »

    1. Open Source: Das OScar - Mutter aller Open Source Autos? | Autodesign-Blog sagt

      am 21. Mai 2010 @ 16:06

      [...] Mai, 2010  Entwicklung Nachdem wir gestern das erste real gebaute Open Source Auto von Local Motors vorgestellt haben und uns Jana Henning, Bloggerin von meinauto.de weitere Crowdsourcing-Projekte [...]

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